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Konzert

AUS VERSEHEN BEHÖRDEN GELOBT: Wenn weltweit in acht Weltstädten die "Live-Aids"-Konzerte stattfinden, dann spielt die Alpha-Hauptstadt eine privilegierte Weltstadt-Rolle. Eine Stunde bevor in den anderen Weltstädten ein Ton erklingt, startet schon hier das Alphakonzert. Der Eintritt ist kostenlos. Die Künstler sind prominent. Viele unterstützen die Idee, sich für eine Aidshilfe im anderen Erdteil einzusetzen. Alles ist so fabelhaft, dass Kritik geübt werden muss. — Zunächst nörgelten die Alphas am "leicht verstaubten Glanz" der Künstlerliste herum. Dann bezeichneten die Medien dieses Konzert schon jetzt als eine furchtbare Weltstadt-Blamage. Der "verzweifelte" Veranstalter klagte über "Geiz, Ignoranz und Absurd-Bürokratismus." Die Alpha-Behörden seien ablehnend. Der Bürgermeister nicht aufmerksam. Kurz: Alles sei "Schimmel über der Hauptstadt." Der Veranstalter erklärte: "Die nationale und regionale Politik reagiert sehr zögerlich darauf, die Veranstaltung zu unterstützen." — Das Büro des Parlamentspräsidenten hat kleinlich geantwortet: Das Konzert darf nicht auf dem Parlamentsgelände stattfinden, weil die "Rasenbewässerungsanlage Schaden nehmen" kann. Im Übrigen ist die Rasenbewässerungsanlage ohnehin Sache des Alphabezirks. Doch auch dort kann man die Vorwürfe nicht verstehen. Dem Tiefbauamt bescheinigte der örtliche Veranstalter gar eine "tolle Zusammenarbeit". Auch die Bauaufsicht gilt als flexibel: Sie kann kurzfristig, auch am Wochenende reagieren. Und der Veranstalter selbst lobt das Engagement des Pressechefs der Alphakanzlei. Auch das Ordnungsamt sei nicht zu kritisieren. Schließlich bescheinigt er den Behörden eine "professionelle Arbeit". — Und trotzdem, er hätte von der Politik "ein enthusiastisches Ja" erhofft. Oder eben "Unterstützung". Bei den Finanzen seien zudem auch die Sponsoren "sehr zurückhaltend". Hat denn keiner 50.000 oder 100.000 Coins? — Der Alphaveranstalter, der sich so echauffiert hat, kann nun die "Aufgeregtheit nicht verstehen". Er glaubt, diese sei durch die "Verkürzung der Dinge" entstanden. Am Ende hat er den Alphabehörden aus Versehen ein fabelhaftes Zeugnis ausgestellt mit Attributen wie "professionell und flexibel". So endete die "Weltstadt-Blamage" mit einem Alpha-Event im Lustgarten und nicht vor dem Parlamentsgebäude der Regierung. [25-06-2005]

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